Walter Gerber
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Die Entstehung von Gerber Schmelzkäse ist auf eine ganz simple Idee zurückzuführen. Im 19. Jahrhundert verliessen Hunderttausende von Schweizern ihre Heimat, um dem Hunger und der Armut zu entkommen. Sie zogen in weit entfernte Länder und wollten ein neues Leben beginnen.
Manchmal jedoch, hatten sie Heimweh, und Lust auf ein gutes Stück Emmentalerkäse. So bestellte man den gegen Vorbezahlung ein Wagenrad grosses Stück Käse. Der Emmentaler reiste Kilometer für Kilometer durch die ganze Welt. Jedoch überlebte selten ein Käse so eine Reise. Meistens kamen die Emmentaler nur noch als geschmolzenes, verschimmeltes Stück Etwas beim Besteller an. Die lange Reise und die Hitze hatten dem Käse sehr geschadet. Nun mussten die ausgewanderten Schweizer halt auf ihren Käse verzichten.
Die einzigen Käse-exporte waren in die kühlen Länder Europas und die Nordamerikas möglich. Das man auf den Export in weitere Länder verzichten musste, war ein sehr schwerer Schlag für die Schweizer. Vor allem, weil es nun immer mehr Käsefabriken gab und die Schweiz im überproduzierten Käse zu ertrinken drohte. Es gab nur eine Lösung:
Der Käse musste Hitzefest gemacht werden. Zum Glück war die Lebensmittelchemie gerade „in“ und so probierten mehrere Käseproduzenten mit Hilfe von Lebensmittelchemie ihren Käse haltbarer zu machen. Weiche Käsesorten wie Camembert und Limburger konnte man mit Erhitzung hitzefest sterilisieren, weil sie mehr Wasser enthielten. Ein Holländer brachte es fertig, seinen Käse dank Vakuumierung tropenfest zu Konservieren. Wenn man jedoch einen Emmentaler mittels Erhitzung zu sterilisieren versuchte, löste sich dieser total in seine Bestandteile auf. Auch wenn man ihn vakuumierte, half das nichts gegen Pilzbefall und den Zersetzungsprozess. Man musste also nur das Wasser und das Fett besser mit dem Eiweiss verbinden damit der Käse in der Hitze nicht gleich zerschmolz.
Die Entdecker des Schmelzkäses, welcher die Hitze überlebte waren Walter Gerber Sohn von Christian Gerber, einem Fellhändler und sein Kollege Fritz Stettler.
Nach der Eröffnung der Bahnlinie Bern-Münsingen-Thun zog Christian Gerbers Firma vom Emmental nach Thun und kaufte in der Nähe des Bahngeleises ein Grundstück. Nach Christian Gerbers Tod übernahm Walter Gerber die Leitung der Firma. Walter Gerber hatte sich in den Kopf gesetzt, den Emmentaler Hitzefest zu machen und ihn in der ganzen Welt zu verkaufen. Die beiden Erfinder versuchten alles um den Käse tropenfest zu machen:
Sie pressten ihn in kleine Blechdosen, doch das nützte nichts. Also schmolzen sie ihn zuerst und gossen ihn dann in Blechdosen. Es kam wie es kommen musste, und auch dieses Verfahren half nichts gegen die Hitze. So beschlossen Walter Gerber und Fritz Stettler ein Chemielabor einzurichten um dort drin so richtig wissenschaftlich nach der Lösung zu tüfteln. Sie gaben dem geriebenem Käse Stärkemehl und Gummiarabicum hinzu. Dies verbesserte seine Konsistenz, aber schützte nicht vor Pilzbefall und Überreife.
Der eigentliche Schmelzkäse wurde aber erst erfunden, als Professor Robert Burri 1912 herausfand, dass Natriumcitrat eine konservierende Wirkung auf Lebensmittel zeigte. Dieser Professor, welcher gute Beziehungen zur Firma Gerber hatte, zeigte ihnen seine Forschungsergebnisse. Kurz darauf besorgten Gerber und Stettler eine recht grosse Menge Natriumcitrat. Auch die Firma Gerber wurde an Bürki & Co. verkauft, damit sich Gerber und Stettler ausschließlich der Forschung widmen konnten. Nach einem Jahr war das Ziel erreicht:
Am 18. Juli 1913 wurde der Schmelzkäse erfunden. Und dies war das Rezept:


Lösung 1:

1 Liter Wasser
1 Kilo Natriumcarbonat
1,5 Kilo Zitronensäure


Lösung 2:

2 Liter Wasser
0,2 Kilo Ätzkalk
0,5 Kilo Salz

Wenn man die Lösung 2 der kochenden Lösung 1 hinzugab, ergab sich eine cremige Masse, welche, wenn man sie dem geriebenen Emmentaler hinzufügte seine Haltbarkeit verlängerte sondern auch seine Struktur verbesserte. Gerber Schmelzkäse war an der Schweizer Landesaustellung ein riesiger Erfolg und wurde sogar mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Leider konnte man dazumal diesen Käse noch nicht patentieren, denn er verstiess gegen das Reinheitsverbot, weil er eben chemische Substanzen beinhaltete. Deshalb dauerte es nicht lange bis der Gerber Schmelzkäse von diversen Nachmachern kopiert wurde. Einer der Nachmacher war die amerikanische Firma Phenix Cheese Corporation, welche sogar einen Landsmann in die Schweiz schickte, um den Mitarbeitern der Gerber Firma das Rezept abzuschwatzen. Leider wussten Gerber und Stettler nicht, dass man ihren Käse damals in den USA hätte patentieren lassen können, sonst hätten sie dies bestimmt getan. Denn die Phenix Cheese Corporation hatte kurz nachdem sie hinter das Rezept gekommen waren, den Käse beim United States Patent Office patentiert. Schon ein Jahr später wurde ein weiteres Patent eingereicht, welches dem ersten sehr ähnlich war. Dies gehörte dem Farmersohn und Käsehändler James Lewis Kraft. Dank diesem Patent wurde er zum grössten Käseverkäufer der Welt. Nun wurde der Gerber Schmelzkäse sogar in der Schweiz kopiert. In Thun wurden viele einfache Arbeiter mit ein paar tausend Franken bestochen. Es entstanden überall Schmelzkäse Firmen.
Meistens jedoch gab es diese Firmen nur ein paar Jahre. Beinahe aller dieser Firmen meldeten konkurs an, und gingen dann ein. Die einzige Firma die überlebte, war Gerber. Kurz danach brach auch schon der Erste Weltkrieg aus. Es trafen unglaublich viele Bestellungen ein. Vor allem aus Deutschland, weil das Militär einen grossen Bedarf an konservierten Lebensmitteln hatte. Doch auch die Rohstoffe wurden knapp, und es trafen mehr Bestelungen ein, als Käse produziert werden konnte. Schliesslich verkaufte Gerber seinen Käse nur noch in der Schweiz, weil die Exporte stark eingeschränkt waren. Auch die umständliche Blechdose, in der Gerber seinen Schmelzkäse verkaufte, wurde durch eine einfachere Spanschachtel ersetzt.
In dieser nicht sehr günstigen Lage hatte Gerber eine Idee:
Er machte seine Firma zu einer Aktiengesellschaft. Er verkaufte 25 Prozent seiner Aktien an den Verband schweizerischer Milchproduzenten. Ein bisschen später brach zwischen den Schmelzkäse Fabrikanten ein schrecklicher Konkurrenzkampf aus. Man versuchte so wenig Käse wie möglich zu einem guten Preis zu verkaufen, um grossen Gewinn zu machen. Darunter litt natürlich auch die Qualität des Schmelzkäses. Somit verlor die Schweizer Milchwirtschaft einen grossen Teil ihres guten Rufes. Jedoch Gerber war bei diesem Konkurrenzkampf der klare Marktführer. Gerber verkauft noch einmal 25 Prozent der Aktien an Nestlé, und hatte somit Zugang zu seinem weltweiten Vertriebsnetz. Mit einer riesigen Werbekampagne versuchte Gerber nun auch Amerika zu erobern. Nur hiess sein Käse dort nicht „Fleur des Alpes“, sondern „Swiss Knight“. Walter Gerber war erst 47 Jahre alt, jedoch sehr erschöpft. Nun war Walter Gerber ein reicher Mann. Er hatte keine Kinder gehabt. Seinen Lebensabend verbrachte er dann mit seiner Frau Leonore im Sommer an der Cote d’Azur, im Winter Zuhause. Mit 62 Jahren starb er 1942 in seiner Wohnung in Luzern.


 

 

 

 

Zusammenfassung


1836
Gründung einer Fell- und Käsehandlung in Langenthal im Emmental von Christian Gerber, Onkel von Walter Gerber

1860
Umzug der Firma Gerber nach Thun. Kauf eines Grundstückes neben dem Bahnhof.

1905
Erste Versuche von Walter Gerber Emmentalerkäse zu Konservieren durch Erhitzen und Vakuumierung.

1913
Die eigentliche Entstehung von Schmelzkäse. Mittels Zitronensäure entdeckten Gerber und Stettler das Schmelzverfahren.

1914
Bei der Landesausstellung ist der Gerber Schmelzkäse ein grosser Erfolg. Aus den USA werden grosse Mengen Schmelzkäse bestellt, um ihn dort zu kopieren.

1914
Die Anfangsjahre von Gerber Schmelzkäse werden werden wegen Rohstoffmangel und erschwerten Exportbedingungen sehr belastet. Jedoch auf dem heimischen Markt ist Gerberkäse immer noch ein grosser Erfolg.

1925
Ein grosser Konkurrenzkampf der schweizerischen Schachtelkäsehersteller endet mit mangelnder Qualität von einigen Käsen, weil jeder soviel wie möglich verkaufen will, ohne viel Geld in die Herstellung zu stecken.


1927

Gerberkäse erobert dank einer grossen Werbekampagne Nordamerika. Wegen des riesigen Exports werden die Fabrikanlagen in Thun um einiges vergrössert.


1936

Eine weitere Neuheit aus dem Hause Gerber: Gala-Frischkäse, welcher aus Doppelrahm hergestellt wird.

1939

Die Armee bestellt an verschiedenen Orten 7,5 Millionen Schachteln Schmelzkäse.
Ganze Lager werden für die Armee eingerichtet. Auch das Rote Kreuz bestellt grosse mengen an Schmelzkäse.
Während des zweiten Weltkrieges ist der Export unmöglich. Jedoch wird immer noch viel Käse in der Schweiz bestellt.

1960
Fertigfondue in der Schachtel von Gerber wird eine erfolgreiche Weltneuheit.

1983

Gerber beteiligt sich 66-prozent an der Chalet-Alpina-Käse AG.

1986

Rund ein drittel der Gesamtschweizerischen Käseproduktion wird von Gerber hergestellt. Pro Jahr werden 6000 Tonnen Schmelzkäse und Fertigfondue ausgeliefert. 40 Millionen Franken werden auf dem Schweizer Markt erzielt. Die restlichen 23 Millionen stammen von dem Export nach USA, Kanada und Großbritannien.

2002
Emmi wird Mehrheitsaktionär von Gerberkäse AG.

2003
Gerberkäse wird mit der Tigerkäse AG und Zingg vereint. Daraus entsteht ein riesiges Fondue-, Schmelz-, und Frischkäse Unternehmen, welches 130 Millionen Franken Umsatz macht.


2004
Nun gibt es die Gerberkäse AG offiziell nicht mehr. Die Firma nennt sich nun Emmi Fondue AG. Jedoch die Produkte behielten ihren Namen.


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emmiEmmi AG

 


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