Die Forschung zum Erziehungsstil beschäftigt sich mit der Untersuchung des Erziehungsverhaltens und seiner Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Dabei rückt ein Hauptfragebereich besonders in den Vordergrund:

Welche Konsequenzen haben Unterschiede im Erziehungsverhalten für die Ausbildung spezifischer Persönlichkeitsmerkmale beim Kind? 

 

Der Familie kommt dabei eine besondere Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung zu, denn sie agiert als primäre Bezugsgruppe und kann einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Kinder nehmen.

 

 

 

Begriffserklärungen:

 

Erziehungswissen: die mit Erziehung verknüpften Einstellungen, Überzeugungen und Ziele (-> Erziehungsziele)

 

Erziehungspraktiken: beziehen sich auf spezifische Klassen beobachtbarer kindbezogener Reaktionen, die in erziehungsthematischen Situationen geäußert werden

 

Erziehungsstile: variable/stabile Tendenzen von Eltern, bestimmte Erziehungspraktiken zu manifestieren

 

 Das Zweiprozess-Modell- eine Theorie elterlicher Erziehungsstile:

Das Zweiprozess-Modell elterlicher Erziehungswirkung ist eine Theorie, die speziell den Einfluss des elterlichen Erziehungsverhaltens auf die Entwicklung von Ängstlichkeit und Angstbewältigungsdispositionen beim Kind thematisiert.  Demnach sind besonders 3 Situationsaspekte für die Auslösung von Angst verantwortlich:

 

1) Das Vorliegen von Gefahrenreizen: Dabei wird das Kind mit einem bedrohlichen Erziehungsverhalten gehäuften oder intensiven Bestrafungen konfrontiert

2) Hohe Mehrdeutigkeit: d.h. das Fehlen verlässlicher Informationen, zwischen verschiedenen Aspekten des Erziehungsverhaltens besteht Inkonsistenz [z.B. wird das Verhalten eines Kindes in einem Fall bestraft und das andere Mal ignoriert] was dazu führt, dass das Kind elterliches Verhalten nicht vorhersagen kann

3) Die Blockierung instrumenteller Reaktionen zur Abwendung der Gefahr: Das bedeutet, dass die Eltern das Kind beim Erproben on Handlungen behindern oder einschränken.

 

Wenn Kinder einem solchen Erziehungsverhalten ausgesetzt sind und erziehungsbedingt häufig Angst und versagende Bewältigung erleben, so führt dies zu einer Ausprägung bestimmter Typen, die das Zeigen von Angst und Bewältigung in neuen Situationen wesentlich bestimmen. Ein erster Typ wird Konsequenzerwartung genannt. Erwartungen beziehen sich auf wahrscheinliche Folgen bestimmter Handlungen zum Beispiel Lob, Tadel, usw. und deren Ergebnisse. Ein zweiter Typ wird als Kompetenzerwartung bezeichnet und thematisiert die Erwartungen über spezifische Verhaltensmöglichkeiten einer Person. Ursächlich für die Herausbildung bestimmter Kompetenzniveaus sowie spezifischer Kompetenz- und Konsequenzerwartungen beim Kind sind Erziehungsstilvariablen:    

   

Es lassen sich 6 Variablen unterscheiden:

 

1)     Unterstützung: alle Maßnahmen der Eltern, die dem Kind beim Aufbau von Problemlösestrategien helfen z.B. Helfen beim Üben von Fertigkeiten

2)     Einschränkung: alle Maßnahmen der Eltern, die eine Orientierung des     Kindes an vorgegebenen Normen oder z.B. fertigen Lösungen sowie die Abhängigkeit vom Erzieher begünstigen

3)     Lob: Häufigkeit positiver Rückmeldung

4)     Tadel: Häufigkeit negativer Rückmeldung

5)     Strafintensität: Intensität negativer Rückmeldung

6)     Inkonsistenz: 2 Dinge können nicht miteinander verknüpft werden

 

 

      Erziehung in der Familie ist aus mehreren Gründen notwendig. Zum einen ist gesellschaftliche Teilhabe nicht ohne eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung denkbar, zum anderen ist es eine zentrale Aufgabe der Eltern die Erziehung auf eine Verfolgung eigener Ziele und Übernahme sozialer Verantwortung zu richten. Dazu werden verschiedene Stile klassifiziert:

 

 Bildergebnis für erziehungsstile


 4 Erziehungsstile nach Diana Baumrind:

 

1)     Autoritärer Erziehungsstil:

è Eltern versuchen das Verhalten und die Einstellungen ihres Kindes möglichst konsequent nach den eigenen Vorstellungen zu formen und zu kontrollieren

è Orientierung dabei meist an religiösen Normen, moralischen Vorstellungen und/oder sozialen Konventionen

è Traditionelle Werte wie Respekt vor Autoritäten und Gehorsam gelten generell als wichtig

è strenge Überwachung der kindlichen Handlungen 

è bei Nicht-Einhaltung der elterlichen Regen -> Bestrafung

 

2)     Autoritativer Erziehungsstil:

è Eltern erklären Kindern sachlich Hintergründe für ihr eigenes Verhalten und ihre Entscheidungen, um sie von der Notwendigkeit von Regeln, Grenzen und Konventionen zu überzeugen

è stellt Ansprüche an das Kind 

è ist darauf gerichtet, dass das Kind einen altersangemessenen Beitrag zum Funktionieren der Familie leistet (z.B. Übernehmen von Aufgaben im Haushalt)

è Eltern verhalten sich fürsorglich, nehmen die Bedürfnisse und Anliegen ihrer Kinder ernst und fühlen sich ihnen emotional verbunden -> = responsives Verhalten

 

3)     Permissiver Erziehungsstil:

è Liebevolles, unterstützendes Elternverhalten

è Einseitige Orientierung an den Wünschen der Kinder

è Eltern gehen Konfrontationen mit ihren Kindern aus dem Weg -> es werden keine Grenzen aufgezeigt

è „verwöhnend“

 

 4)     Vernachlässigender Erziehungsstil:

è Verzicht auf Struktur und Grenzsetzung

è Abwesenheit eines liebevollen und unterstützenden Elternverhaltens 

è Zum Teil sogar aktiv zurückweisendes Verhalten der Eltern

è Vernachlässigung der Verantwortung gegenüber dem Kind 

 

 


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