Lange Zeit war das Denken der Menschen durch eine rein dualistische Denkart bestimmt, man orientierte sich an Gegensatzpaaren wie heiß & kalt, wahr & falsch oder weiblich & männlich. Dabei ist war eins dieser Gegensatzpaare immer positiver konnotiert als das andere. So wurde Männlichkeit mit Stärke in Verbindung gebracht, mit logischem Denken oder Entschluss- und Durchsetzungsfähigkeit, wohingegen Weiblichkeit insbesondere in gefühlsbetontem Verhalten oder Ästhetik zum Ausdruck kam. Während der Epochen Aufklärung und Renaissance wurden die vorherrschenden Polaritäten aufgeweicht und durch Kontinua ersetzte – es gab jetzt Grade von Temperatur oder Grade von Wahrscheinlichkeit. Neben der Veränderung von Denkstrukturen spielte die Entwicklung des Intelligenzbegriffs eine wichtige Rolle. Von besonderer Bedeutung war hierbei die Wertschätzung, die man ab dem 18. Jahrhundert Imaginationsvermögen – eine ursprüngliche weibliche konnotierte Eigenschaft – zukommen ließ: Imagination konstituierte zu einem großen Teil den zeitgenössischen Geniebegriff, sodass sich der klassische Dualismus weiblich-männlich und zugehörige Eigenschaften mit einem Problem konfrontiert sah. So wurde Imaginationskraft im 19. Jahrhundert männlich attribuiert. Durch die stark wissenschaftliche Ausrichtung des Jahrhunderts unternahm man Versuche die niedere Stellung, die Frauen zuschrieben wurde, durch physiologische Unterschiede (zB. Vermessung der Gehirne) zu begründen. Hier fanden sich allerdings keine qualitativen Abweichungen, sodass ab diesem Zeitpunkt bewiesen war, dass es für Frauen nicht unmöglich sei intellektuelle Gleichheit mit Männern zu erreichen – jedoch war dies nach wie vor sozial nicht erwünscht. Hier zeigt sich, dass das dichotome Erklärungsmuster weiblich-männliche sich nicht so leicht auflösen lässt wie andere Polaritäten und gesellschaftlich wesentlich tiefer verwurzelt und langlebiger ist. Dennoch begann sich die Überzeugung herauszubilden, dass auch Frauen intellektuelle Fähigkeiten besitzen. Dadurch konnten sich erste weibliche Rollenbilder auch im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich etablieren – erwähnt sei hier die italienische Wissenschaftlerin Maria Gaetana Agnesi, die bereits 1748 ein mathematisches Lehrbuch zur Infinitesimalrechnung verfasste oder die Französin Gabrielle-Emilie du Châtelet, die Isaac Newtons Hauptwerk 1749 ins Französische übersetzte. Diese Herausstellung von Vorbildern war insofern wichtig, als dass sie zahlreichen ihnen folgenden Frauen in der Wissenschaft als Inspiration für das eigene Tun dienten. Diese Station beschäftigt sich mit wissenschaftlich-akademischen Laufbahnen von Frauen und rückt dabei die Frage in den Mittelpunkt, wie sich berühmte Wissenschaftlerinnen behaupten konnten. Doch es soll nicht nur um Nobelpreisträgerinnen gehen, sondern auch um den verleugneten Anteil an Frauen in der Wissenschaft, die lange vor der ersten Nobelpreisträgerin Marie Curie wichtige Beiträge zur menschlichen Erkenntnis geleistet haben, ohne dass die Geschichtsschreibung dies zur Kenntnis genommen hätte. Fokussiert werden insbesondere Frauen in den Naturwissenschaften.

 



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