Dass Mathematik und Naturwissenschaften keine geeigneten Wissenschaftsgebiete für Frauen seien, war lange Zeit der gesellschaftliche Tenor und auch heute noch ist dies eine weit verbreitet Ansicht. Es gibt zahlreiche Studien zum Thema Frauen in der Wissenschaft – insbesondere im MINT-Bereich – deren wichtigste Ergebnisse nachfolgen vorgestellt werden sollen. Von besonderer Relevanz sollen an dieser Stelle die Antworten auf die Fragen sein, wodurch die Wahl des Studiums bestimmt worden ist und an welche Einflussfaktoren die wissenschaftlichen Karrieren von Frauen geknüpft sind.

 

Beeinflussung der Studienwahl 

Grundsätzlich war die Wahl des Studiums an die Zugangsmöglichkeiten gebunden – in Preußen war es Frauen ab 1894 möglich an Universitäten zu studieren. In diesem Zusammenhang was eine Reform des Schulwesens von besonderer Bedeutung, die es den Lernenden an höheren Mädchenschule ermöglichte dort ihr Abitur abzulegen. Durch diese Neuerung ergaben sich Berufschancen für Lehrerinnen, die auch die MINT-Fächer in Betracht zogen. Es folgten gesetzliche Regelungen für die Immatrikulation zu Frauen, die aufgrund des Lehrerinnenberufs nicht nur den Weg ins Studium, sondern auch in Forschung und Wissenschaft ebneten. 

 

Einflussfaktoren auf das Studium und die akademische Karriere von Frauen in der Wissenschaft

Thesen zu Faktoren, die Einfluss auf die Karrieremöglichkeiten von Wissenschaftlerinnen nehmen

1.     Chancen auf Bildung – Gleiche Bildungsmöglichkeiten für die Geschlechter an den höheren Schulen waren eine Voraussetzung dafür, dass ein mathematisch-naturwissenschaftliches Frauenstudium nicht mehr die Ausnahmeerscheinung blieb.

-       Gesetzliche Voraussetzungen ab Anfang des 20. JH. – Abitur für Mädchen und damit verbunden die fachliche Ausweitung des Lehrerinnenberufes

 

2.     Elternhaus – Ein liberales Elternhaus, in dem der Vater einen akademischen Beruf ausübt, ist in der Regel Voraussetzung dafür, dass sich Mädchen einem mathematisch oder naturwissenschaftlich-technischen Studium zuwenden. 

-       Finanzierbarkeit des Studiums 

-       Väter zumeist selbst in Lehrberufen tätig

-       Konfessionelle Gebundenheit des Elternhauses: Wissenschaftlerinnen entstammen oft evangelischen oder jüdischen Familien, selten sind sie katholisch

       àRegionale Unterschiede – protestantisches Preußen > katholisches Bayern

 

3.     Einfluss von Lehrpersonen – Lehrkräfte können die Studienrichtung ihrer Schülerinnen maßgeblich durch die eigene Persönlichkeit beeinflussen.

-       Einfluss der Lehrperson ist geschlechterunabhängig

-       Einfluss Lehrperson > Studienwunsch Elternhaus

 

4.     Haltung von Lehrpersonen – Die positive bzw. negative Haltung von Universitätsprofessoren zur Rolle der Frau im akademischen Beruf besitzt nachdrücklich Einfluss auf die wissenschaftliche Karriere von Frauen.

-       Fachbereichsabhängige Positionierung: 

- Mathematik pro Studium und wissenschaftlicher Befähigung für Frauen

+ Naturwissenschaften kontra Frauenstudium, Ausnahmeregelungen erwünscht

-       Kontraargumente:

- Überfüllung der Studiengänge

- Verschärfung der Konkurrenz in akademischen Berufen

- Konstruktion von „Natur der Frau“ zB. Veranlagung zum gefühlsmäßigem Handeln

-       Professoren entscheiden darüber, ob Frauen gleichwertig am wissenschaftlichen Arbeitsprozess beteiligt werden dürfen oder in die Rolle der Zuarbeiterinnen (Protokollantin, Laborantin … ) gedrängt werden starke Abhängigkeit

 

5.     Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Eine erfolgreiche Karriere im akademische Beruf setzt den weitgehenden Verzicht auf ein Familienleben voraus.

a)     Zölibatsklausel: bis ins 20. JH hinein galt für weibliche Personen, die im preußischen Staat eine öffentliche Anstellung haben, das Zölibat.

b)     Akademisch gebildete Frau verzichtet im Interesse der Familie auf eine berufliche Tätigkeit und erfährt Beachtung als Ehegattin.

c)      Die studierte/promovierte Frau heiratet und die Ehe scheitert; der Status als Geschiedenen oder Witwe ermöglichte eine wissenschaftliche Laufbahn. 

d)     Glückliche Vereinbarung von Ehe/Familie und Beruf – hier sind die berühmten Verbindungen wie die des Nobelpreispaares Curie gemeint.

àaußerhalb von Deutschland sind in diesem Bereich wesentlich geringere

    konservative Züge zu verzeichnen

 

6.     Berufliche Stellung der akademisch gebildeten Frau – Frauen gelangen weniger oft in leitende Positionen und üben in der Regel weniger qualifizierte Tätigkeiten aus.

-       Position von Frauen in starkem Maße von konkreten sozialen Verhältnissen abhängig, die den Geschlechtern unterschiedliche Rollen zuweisen (siehe Punkt 4 oder 5)

 

7.     Historische Einflussfaktoren – Die Tätigkeit der Frauen ist von konkreten historischen Bedingungen abhängig.

-       Zeiten politischer Umbrüche stellen Frauen in der Wissenschaft immer wieder vor schwierige Situationen:

+I./II. Weltkrieg – Abwesenheit der Männer verschafft Zugang zu höheren 

   Positionen

NS-Zeit – Ausschluss von Jüdinnen vom Wissenschaftsbetrieb, traditionelle 

   Geschlechterrollenstereotype und Politik gegen das Doppelverdienertum

 

8.     Fachbereiche – Frauen wählen spezifische Forschungsgegenstände. 

        Frauen konnten sich insbesondere in noch neuen, nicht etablierten Wissenschaftsdomänen behaupten. Aufgrund des Grades an

        Unbekanntheit neuer Forschungsgebiete existierten noch keine Hierarchien und wenige Strukturen, viele Männer schien die Arbeit mit unkonventionellen Forschungsgegenständen nicht attraktiv und lehnten diese ab. 


Literatur: 

Tobies, Renate: Aller Männerkultur zum Trotz – Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften. Frankfurt/Main, 1997.

Alic, Margarete: Hypatias Töchter. Der verleugnete Anteil der Frauen an der Wissenschaft. Zürich, 1987, 2. Auflage 1991.

 


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